DOMODOSSOLA/VAGNA – 11-7-2026 -- Während anderswo im Juli der Sommer im Mittelpunkt steht, wird im kleinen Dorf Vagna bei Domodossola Weihnachten gefeiert. Die "Festa dul Bambin", das Fest des Jesuskindes, zählt zu den ungewöhnlichsten religiösen Traditionen im Ossolatal und blickt auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurück.

Entstanden ist der Brauch im 17. Jahrhundert. Damals kehrten viele Auswanderer nur während der Sommermonate in ihre Heimat zurück. Um ihnen die Teilnahme an den wichtigsten religiösen Feiern zu ermöglichen, wurde das Weihnachtsfest symbolisch in

den Juli verlegt. Bis heute ist diese außergewöhnliche Tradition lebendig geblieben.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Prozession am Sonntag. Eine barocke Statue des Jesuskindes aus dem Jahr 1730 wird feierlich aus der Kirche San Brizio getragen. Begleitet wird sie von Weihnachtsliedern – mitten im Hochsommer – sowie von den "Cavagnette", kunstvoll geschmückten kleinen Bäumchen, die von Frauen in traditionellen Trachten auf dem Kopf getragen werden. Musikgruppen und Trachtenvereine verleihen der Prozession eine besondere Atmosphäre.

Bereits am Samstagabend beginnt das Fest mit einem gemeinsamen Abendessen und einem Chorkonzert, bevor ein Feuerwerk den ersten Festtag beschließt. Am Sonntag folgen der Festgottesdienst, ein Pilgerweg von Bognanco nach Vagna und schließlich die Segnung der Kinder sowie die traditionelle Prozession.

Die "Festa dul Bambin" ist weit mehr als ein Dorffest. Sie verbindet Geschichte, Glauben und Identität und erinnert daran, wie eng das Ossolatal und das Wallis seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind. Viele Familien beiderseits der Alpen pflegten einst dieselben Wege über die Pässe – und auch heute zieht diese außergewöhnliche Sommer-Weihnacht Besucher aus Italien und der Schweiz an.